54elf.de

bike & run

Bike to school: Kontroverse Diskussion in Norwegen

| 6 Kommentare

DWerner / photocase.de

DWerner / photocase.de

In Norwegen läuft gerade ein interessante Diskussion zum Thema “Radfahren und Schulweg”. Hintergrund ist eine bevorstehende Gesetzesänderungen welche die letztendliche Entscheidung ob mein Kind mit dem Rad zur Schule fahren darf oder nicht den Eltern zuspricht und nicht wie bisher, der Schule. Auf den ersten Blick ist das ganze eine “merkwürdige” Regelung, aber dahinter stehen eine ganze Menge verschiedene Ideen. Bisher gilt folgende Praxis: In der 5. Klasse legen Kinder im Rahmen der Schule einen Fahrradführerschein ab bei dem die wichtigsten Dinge wie Fahrfertigkeiten aber auch Regeln und Verhalten im Strassenverkehr besprochen werden. Kinder die Jünger sind, kann durch die Schule verwert werden mit dem Rad in die Schule zu kommen. Das ist dann keine Einzelentscheidung sondern eine generelle Entscheidung der Schule die alle Schüler einer Klassenstufe gleich betrifft. Eltern können sich darüber nicht hinwegsetzen und der Hintergrund dieser bisher gültigen Regelung wird wie folgt begründet: Schulweg können gefährlich sein und es gibt Argumente, die ausführen das kleinen Kindern i.d.R. viele Fertigkeiten fehlen sich im Strassenverkehr zu bewegen. Klar, es gibt Ausnahmen, aber so ist die generelle Argumentation. Ziel ist Unfälle zu vermeiden und die Kinder zu schützen. Das dies eine generelle und nicht einee Individuellen Entscheidung ist,  ist dem Umstand geschuldet, das soziale Verhalten wie Gruppendruck und Herdentrieb existent sind und so Kinder in den Strassenverkehr gedrängt werden, denen vlt. wirklich die Sicherheit fehlt.

Nun will man das Gesetz ändern und den Eltern mehr Entscheidungsfreiheit geben. Finde ich auf den ersten Blick gut, aber die Kommentarspalten quellen über mit Argumenten. Eins davon ist eben nicht das Individuum über die Gruppe und den damit verbundenen möglichen Druck zu stellen, sondern das die Gruppe Rücksicht auf die Schwächsten nimmt. So ähnlich ist das auch bei z.Bsp. Fussballturnieren. Kleine Kinder spielen auch schon in Mannschaften und auch gegeneinander, aber das Ergebnis wird nicht notiert, keine Tabellen geführt.

Tja, nun steht hier also die freie Entscheidung der Familie der bisherigen Praxis gegenüber. Doch was ist besser? Sollten die Familien die Entscheidungsfreiheit haben und selbst entscheiden, was ihr Kind kann und was nicht? Oder ist die Gedanke “Rücksicht auf die Schwächeren” besser und sinnvoll und man sollte die Gruppe vor das Individuum stellen? Ganz ehrlich, mir fällt es extrem schwer hier eine Position zu beziehen, ich kann beiden etwas abgewinnen.

6 Kommentare

  1. Hallo Markus,

    das ist ja mal interessant. Reflexartig hätte ich gesagt: Hä?! Warum sollten Kinder nicht mit dem Rad zur Schule fahren dürfen? In D fahren die Kinder ja schon mit dem Rad in den Kindergarten (wenn auch oft nicht allein, sondern von kinderwagenschiebenden Rennmamas verfolgt 😉 ). Aber: Ich habe mich erst letzte Woche aus aktuellem Anlass (nicht meine eigenen Kinder 😉 ) mit der Frage nach der Deliktfähigkeit von Kindern nach deutschem Recht befasst und dabei erstaunt erfahren, dass – anders als bei der “normalen” Deliktfähigkeit, die ab 7 Jahren einsetzt – eine eingeschränkte Deliktfähigkeit für Kinder im Straßenverkehr erst mit 10 Jahren beginnt, was der Gesetzgeber auch mit altersentsprechender Einsicht begründet. Vor diesem Hintergrund ist die Frage, ob jüngere Kinder wirklich allein mit dem Fahrrad zur Schule fahren sollten, ganz anders zu sehen. Was passiert, wer haftet, wenn ein neunjähriger Radfahrer einen Unfall verursacht, bei dem es Sach- und/oder Personenschaden gibt? Die Rechtssprechung ist da sehr uneins und wie ich lernen musste, ist das ein bisschen ein Lotteriespiel, wie die Sache für den Geschädigten ausgeht. Das ist die rechtliche Seite der Sache. Weißt du, wie das in Norwegen geregelt ist?

    Ich bin gespannt, wie die Sache ausgeht 🙂

    • Hallo Lydia! So aus dem Stand heraus weiss ich nicht wie das rechtlich genau geregelt ist, aber das ist eigentlich mal ein guter Anlass das näher herauszufinden. Auch aus einem ganz eigenen, praktischen Interesse heraus 🙂 Wenn ich mehr weiss, melde ich mich.

  2. Was passiert, wer haftet, wenn ein 9jähriger Fußgänger einen Unfall verursacht? Ebenso nicht das Kind oder dessen Eltern. Es ist grundsätzlich unerheblich, wie das Kind unterwegs ist.
    Ob man dem Rad fahren eine erhöhte Unfallgefahr zusprechen kann, weiß ich nicht.

    • Hallo Harald, das ist sicher richtig, aber entsprechend könnte man ja auch sagen, dann kann ein Neunjähriger ja auch mal ein bisschen Auto fahren, ist ja egal, wie er im Straßenverkehr unterwegs ist, haften müssen er und seine Eltern eh nicht… Überspitztes Beispiel, freilich. Aber vielleicht gibt es eben deshalb diese Art von “Verbot” in Norwegen, was das alleine Radfahren betrifft?! Ich finde es individuell sehr verschieden, was Neunjährige an Einsicht und können haben. Ein pauschales verbot finde ich eher schwierig – wobei am Ende halt der geschädigte immer der dumme ist. Schwierig, schwierig 🙂

  3. Interessante Frage. Mir ginge jedoch diese Regelung, dass die Schule festlegt, ob mein Kind mit dem Rad kommen darf oder nicht, aus mehreren Gründen entschieden zu weit.

    Gegen die Absicht dieser Norm, nämlich die körperliche Unversehrtheit (Leben/Gesundheit) der Schülers zu schützen, lässt sich selbstverständlich nichts einwenden. Allerdings wird mit dieser Norm (Regelung) gleichzeitig ein anderes Rechtsgut, nämlich meine Entscheidungsfreiheit, verletzt bzw. eingeschränkt. Hier treten also zwei Rechtsgüter in ein Konkurrenzverhältnis. Es muss daher eine Rechtsgüterabwägung stattfinden, welches Rechtsgut höher einzustufen ist. Natürlich hat das Leben / die Gesundheit eines Schülers einen höheren Rang als die individuelle Handlungsfreiheit. Allerdings darf die Gefahr, dass der Schüler auf dem Schulweg Schaden nimmt, nicht nur abstrakt sein. Die bedeutet, allein die Möglichkeit, dass es zu einem Unfall kommen kann, ist nicht ausreichend. Mit der abstrakten Gefährdung könnte sonst so jedes Rechtsgut eingeschränkt werden. Das aber reicht nicht aus. Voraussetzung für die Einschränkung des Rechtsgut der Handlungsfreiheit wäre, dass der Schulweg eine konkrete Gefahr birgt, z. B. durch stark befahrene enge Straßen ohne Ampeln und ohne Bürgersteig. Eine konkrete Gefährdung wird bei der großen Mehrheit der Schulwege in Norwegen sicherlich nicht nachgewiesen werden können, daher wäre für mich diese Regelung nicht gerechtfertigt.

    Abgesehen von dieser juristischen Argumentation sollten Kinder meines Erachtens bereits ab dem Kindergartenalter, dazu erzogen werden, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen– egal ob als Fußgänger oder Radfahrer. Ein bewusstes Fernhalten vom Straßenverkehr schadet hier langfristig viel mehr, als wenn ich mein Kind so früh wie möglich mit den Gefahren vertraut mache. Hier sind natürlich die Eltern gefordert, die Zeit und Geduld mitbringen müssen. Das Argument der Rücksichtnahme auf den Schwächsten ist zwar sicherlich sehr lauter, ist mir aber etwas zu bequem, weil man damit die Verantwortung auf die Schule abwälzt. Seinen Kindern tut man damit keinen Gefallen.

    Erst ab der 5. Klasse die Kinder mit den Fahrradführerschein in den Verkehr zu entlassen, ist viel zu spät. Die weiterführenden Schulen sind in der Regel weiter weg. Wenn Sie dorthin gehen oder fahren, sollten Sie die Fähigkeit, sich im Straßenverkehr sicher zu bewegen, längst erlernt haben.

    • Danke dir für deinen langen Kommentar. Ja, es ist wirklich eine Abwägung. Bisher ist die Praxis auch so das die Schulen nicht per se sagen nein, sondern auch schauen ob der Schulweg gefährlich ist oder nicht. Nur wenn die Schule halt nein sagt, kann man als Eltern sich nicht anders entscheiden. Den Punkt “Rücksicht auf die Schwächeren” find ich schon spannend, etwas was man schnell vergisst.

      Ob 5. Klasse zu spät ist kann ich schwer einschätzen. Hier in Norwegen ist es im übrigen so das man bis zum Ende der 10 Klasse in die “Ungdomsskule” geht und diese i.d.R. mehr oder weniger in direkter Nachbarschaft ist. Erst nach der 10. Klasse geht man in eine Art Gymnasium. Und die sind dann wirklich weiter weg, teilweise sogar sehr weit Weg mit Internat und so. Liegt halt auch daran das man sich frei an Gymnasien bewerben muss und dann schauen muss welches Profil man will und wo man angenommen wird. Aber das ist nen ganz anderes Thema …

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.