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Fünf Schritte vor, vier zurück.

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Wenn mir doch jetzt die Kette reissen könnte. Oder ne zerschossener Reifen. Was auch gut wäre: zwei Platten auf einmal. Hab ja nur einen Ersatzschlauch mit. Aber irgendwas muss passieren. Jetzt einfach so aufgeben, in Bryne einfach nach Hause abbiegen und heim radeln, das geht nicht.

Das waren meine Gedanken die mir vor 2 Wochen, am 07. Juni, bei meiner Teilnahme am Nordsjørittet durch den Kopf stiegen. Der Nordsjørittet ist ein 91 km langes MTB Rennen, wobei es weder so richtig MTB (45% Asphalt, 45% Waldwege, 10% Gelände) noch Rennen ist. Es ist ein Volksfest mit knapp 10.000 Starterinnen und Startern. Viele Firmen motivieren ihre Mitarbeiter daran teilzunehmen, unterstützen die mit Teamkleidung und bezahlen der Startgebühr. Endlich mal den Chef schlagen ist für viele das Ziel 🙂

Aber darum soll nicht gehen, sondern um meine Form und ein paar unschöne Tiefs die mich dieses Jahr begleitet haben. Nordsjørittet war so ein Tief. Ein Tiefpunkt den ich so lange nicht mehr bei einem Rennen erlebt habe. Sobald man nicht 110% abliefert gehört Jammern zum Geschäft, aber das war diesmal vielleicht 49%. Mehr ging nicht. Schon schnell nach dem Start merkte ich es. Mein Puls war schon beim alleiniger Berührung der Pedalen ganz oben und der schnelle Tempowechsel auf dem welligen Profil machte mir extrem zu schaffen. Nach 2/3 fuhren wir an Bryne vorbei und ich wünschte mir so sehr einen technischen Defekt der mir ein weiterfahren unmöglich machte, den einfach so aufgeben ist nicht mein Ding. Doch leider hielt alles und ich musste mich bin ins Ziel schleppen. Kurz nach Bryne setzten dann auch die Krämpfe in den Oberschenkeln ein, etwas das ich nicht kenne. Das letzte Mal Krämpfe hätte ich vor … ich weiss nicht vor wieviel Jahren. Ewig her. Auf den letzten 5 km gab es Kilometermarken. Ich wurde noch von vielen überholt und das war mir egal. Ich zählte jeden Meter.

Im Ziel, oder schon viel eher, war ich eigentlich so leer, so völlig ohne Energie. Kraftlos. Fertig mit der Welt. So gings mir nicht nach 540 km Styrkeprøven. Selbst das Essen im Ziel half nicht. Um wenigstens noch die Beine zu lockern radelte ich nach Hause, 18er Schnitt glaub ich war das. OMG. Dieser Tag war ein Tiefpunkt. Und für die Statistik gabs Platz 937 von 9421 und benötigte 126% der Siegerzeit (zum Vergleich 2009 wo wir richtig starken Gegenwind und Regen hatten, reichte es zu Platz 145 von 6774).

So richtig überraschend kam das Ganze nicht sondern zeichnete sich schon bei den Trainingstouren davor ab. Ich war nicht in Form und die Ursache lag in einer Magen-Darm Erkrankung die zweieinhalb Wochen vor dem Nordsjørittet, also ca. 4,5 Wochen bevor ich diese Zeilen schrieb ihren Anfang nahmen. Zwei Tage nach dem Garborgriketrundt, einem MTB Rennen was mir echt Spass gemacht habe begann meine Magen-Darm Erkrankung. Es war ein Mittwoch. Bis Freitag verlor ich knapp 4,5 kg. Es ging rasant bergab und am Freitag war ich soweit, endlich auch mal den Arzt aufsuchen zu wollen (wäre erst das zweite Mal innerhalb von von 7 Jahren Norwegen gewesen). So beschissen gings mir. Diese Magen-Darm Geschichte war nun schon die zweite Erkrankung in diesem Jahr. Zuerst die Grippe/fast Lungenentzündung im März, nun das. Insgesamt zwei Erkrankungen dich mich zusammen 7 – 8 Wochen Training gekostet haben. Bei der Grippe war der absolute Trainingsausfall zwar länger, aber danach gings schneller bergauf. Diesmal bei der Magen-Darm Geschichte bin ich nach ner Woche wieder aufs Rad, aber ich brauchte eigentlich noch knapp 3 Wochen bis ich mich so halbwegs fit fühle. Und so richtig rund läuft es halt immer noch nicht.

Das zermürbt einen ganz schön da man zwischendrin gute Phase hatte, sah wie die Form anstieg. Die Vorbereitungen für LEL sind ziemlich durcheinander. Ein paar längere Touren sind alle weggefallen, nen geplanter 24h Testlauf ebenso. So wie es aussieht werd ich LEL mit ein paar 100+ km Touren antreten und einmal 200 km . Das wars auch schon. Zwischenzeitlich kam auch oft der Gedanke auf einfach alles abzusagen, LEL und der Ötztal Radmarathon. Warum soll ich da antreten wenn ich einfach nicht in Form komme, wenn ich ständig krank werde und ich 5 Schritte nach vorn, aber dann wieder 4 zurück machen muss. Und dann gibts so Tage wie der Freitag, an dem ich mich so fühlte wie März, als die Grippe einsetzte. Mal 9 Stunden schlafen halfen diesmal (scheinbar) alles abzuwenden. Aber was ist wenn ich wieder krank werde? Und überhaupt, warum werd ich dieses Jahr soviel krank? Wird vielleicht doch alles zuviel? Ist ja nicht nur Jobb, Familie und Training, sondern wir streichen gerade noch unser Haus was sich über ein paar Wochen schon hinzieht und nach der Arbeit oft nochmal 5 Stunden auf der Leiter stehen bedeutet.

Doch ich werde antreten. Absagen gibts nicht. Vielleicht hab ich Glück in den wenigen verbleibenden Wochen und kann mich noch etwas mehr in Form bringen, alte Kräfte mobilisieren. Ich werde vermutlich auch ohne konkrete Zeitziele in beide Rennen starten da ich diese nach derzeitiger Verfassung für nicht mehr machbar halt. Aber ankommen werde ich, daran glaube ich. Und ich fange auch an mich darauf zu freuen. Auf LEL sowie auf den Ötztaler Radmarathon.

4 Kommentare

  1. Genau, anfangen sich drauf zu freuen. Das ist die richtige Einstellung. Hauptsache Gesund am Start stehen, alles andere ergibt sich!

    Und es muss natürlich auch schlechte Tage geben – man kann nicht von Höhepunkt zu Höhepunkt gehen und jedes Rennen, jede Ausfahrt setzt noch mal einen oben drauf. Wäre ja auch langweilig, wenn es so wäre…

    Häufiger Krank… Mmh, wenn man solche unerwarteten Geschenke wie von den Kindern weglässt, dann könnte (Trainings)Stress schon ein sehr guter Kandidat für Auslöser sein.

    Man kann es sicher nicht an einer harten Zahl festmachen, aber irgendwo las ich mal von einem maximalen Anstieg, den die CTL (Chronik Training Load) als Kurve aus der Aneinanderreihung der Trainingsimpuls-Werte (TRIMP) bzw. Trainingsstress Scores (TSS) nehmen kann, bevor man Gefahr läuft, nicht notwendigerweise überzutrainieren (das auch), aber auch davon ausgehen kann, sich einen Infekt einzufangen. Mag auch in Form einer persönlichen Erfahrungsgeschichte gewesen sein. Und ich konnte das schon anhand meiner eigenen CTL-Kurve nachempfinden. Ich merke da schon, wenn ein zu starker Anstieg mit evtl. auch nicht genügend Schlaf zusammenkommt. Und war schon mehr als einmal froh, da gerade noch durchgeschlittert zu sein.

    Dazu kommt neben dem Training natürlich noch die berufliche und familiäre Beanspruchung. Es geht halt nur immer nur gerade einmal so viel – und nicht mehr. Wäre natürlich toll, wenn man seine Leistungsfähigkeit auf dem Rad einfach mal so mir nichts, dir nichts um 50 % erhöhen könnte, nur weil man beschließt, täglich 3 h weniger zu schlafen und einfach jeden Tag Rad zu fahren. Die Realität, und das brauche ich dir ja sicher nicht neu zu erzählen, ist halt, dass man selbst mit wenigen 0,x bis 1,x Prozent zufrieden sein kann (falls man nicht gerade erst letztes Jahr mit dem Radfahren angefangen hat).

    • Ach naja, ich könnte mich schon daran gewöhnen wenn man bei jeder Trainingsfahrt einen drauf setzen kann. Gibt da glaub ich schlimmeres 😉

      Aber im Ernst. Die erste Erkrankung hab ich aus dem Büro mitgenommen bzw. hingetragen. Zumindest sind zwei meiner drei Bürokollegen zeitgleich mit “richtiger” Lungenentzündung krank geworden. Ich nur einen Tag eher, hatte gegenüber den beiden aber noch Glück. Die zweite Geschichte (Margen-Darm) ist vom MTB- Rennen. Die Bauern fahren hier wie wild Scheisse aufs Feld und da wird auf der Strasse rumgekleckert. Bei einsetzendem Regen – so war es halt – weicht der Dreck auf und naja … auch hier weiss ich das viele Krank waren nach dem Rennen. Vom Trainingsstress direkt kann es nicht kommen, vielleicht eine allg. Schwächung des Immunsystems. Das ist möglich, den man hat ja eigentlich Abwehrkräfte die aber nicht richtig wirken wollten. So richtig weiss ich das aber auch nicht, nur das ich in Zukunft besser aufpassen muss potentiellen Gefahren eher aus dem Weg zu gehen.

  2. …das hört sich frustrierend an. Aber ich würde auch nicht verzweifeln und die ziele ein wenig herunterschrauben. Ohne zeitvorgabe in die rennen zu gehen ist schon ne gute entscheidung. Du packst da, markus, da bin ich mir sicher!

    …beim ötztaler sind ein paar bekannte von mir dabei ;-)) …gruß uli

    • Ja, das war es und ist es in gewisser Weise auch da die Zeit verloren ist und nun in den letzten Wochen eben nix mehr wirklich zu trainineren ist. Hoffe ich bekommen noch ein paar längere Touren auf die Reihe, aber ich werde mehr oder weniger in dem Zustand bei LEL in gut 5 Wochen antreten, wie ich heute bin. Und das ist so schade, da es eben auch gute Phasen hatte wo ich es Fortschritte gab und ich klar war für ein paar wirklich lange Testtouren. Ich denke jetzt muss viel im Kopf passieren, Motivation muss her bzw. ist denke ich auf einem guten Weg. Speziell bei LEL freu ich mich auf den Moment endlich auf der Strasse zu sein und kann das noch kaum erwarten. Beim Ötztaler hab ich eher noch die Möglichkeit was zu machen, sofern ich in der Leipziger Tieflandsbucht ein paar Anstiege finde 😉

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